NYMPHOMANIAC I



Dänemark 2013
Regie: Lars von Trier
Darsteller: Stellan Skarsgård, Charlotte Gainsbourg, Stacy Martin

114 Minuten
FSK: 16
Das lang erwartete Erotik-Epos Lars von Triers stellt erneut unter Beweis, was hinter all den unnötigen Skandalen um seine Person unterzugehen drohte: das filmische Ausnahmetalent, das ihn zu einem der aufregendsten zeitgenössischen Regisseure Europas macht.

So ist NYMPH()MANIAC keineswegs pornographisch, wie es die provokative Werbekampagne gerne suggeriert, sondern eine äußerst poetische Reflexion über die Problematiken unserer eigenen Geschlechtlichkeit und der Frage nach den (Un-)Möglichkeiten menschlicher Beziehungen an sich. Schon der Auftakt des Films ist ein Appell an die Sinne. Eine ungewöhnlich lange Schwarzblende erinnert den Zuschauer daran, was bei allen Werken von Triers im Vordergrund steht: das Primat des Fühlens über das Sehen. Kino als intensiv-körperliche Erfahrung. Es sind nur die sanften Geräusche des tropfenden Wassers zu hören, das wenig später visuell als geschmolzener Schnee identifiziert wird, der gleichmütig über die Szenerie einer freudlosen Gasse fällt, in der eine bewusstlose Frau in ihrem Blut liegt. Ein älterer Mann entdeckt sie und nimmt sie mit zu sich nach Hause. In der dunklen Wohnung entwickelt sich ein Dialog zwischen dem warmherzigen Seligman (Stellan Skarsgård) und der verzweifelten Joe (Charlotte Gainsbourg). Seligman glaubt an das Gute im Menschen und lebt asexuell wie ein Mönch in seinem Kosmos von Büchern. Joe hingegen ist verbittert und voller Selbsthass, hat wenig Erfahrung mit den Diskursen der Hochkultur und ist eine erklärte Nymphomanin. Eingeteilt in acht Kapitel erzählt sie ihren Werdegang von der Geburt bis zu ihrem fünfzigsten Lebensjahr. Die dabei gezeigte Nacktheit mag provozieren, zeigt den menschlichen Körper aber sehr pragmatisch, mit seinen Haaren und Falten sowie seiner Verletzlichkeit und dem nicht ausbleibenden Verfall. Lars von Triers Freude an gesellschaftlichen Normüberschreitungen und -überprüfungen wird einmal mehr offensichtlich.

NYMPH()MANIAC ist ein auch intellektuell erregendes Forschungsprojekt über den Mensch und seine Widersprüche: Hier die animalische Triebkraft, dort das sozial eingebundene Wesen, das doch immer abhängig bleibt, von seinem Bedürfnis nach Liebe und Intimität.

"Halte Dich an der Lehne fest, Deiner Bibel oder der Hand eines Freundes, NYPHOMANIAC knüppelt den Leib und macht die Seele zart!" GUARDIAN

"Provokativ, ironisch, witzig, kühn und klug!" SCREEN INTERNATIONAL



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