1:1 (EINS ZU EINS)

1:1 (EN TIL EN)


Regie: Annette K. Olesen
Darsteller: Mohammed-Ali Bakier, Joy K. Petersen,
Anette Stövelbaek

90 Minuten | ab 12
2491. Woche
Mie und Shadi, die Dänin und der Palästinenser, gehen noch zur Schule und lieben sich. Dass sie ein Paar sind, wissen nur Mies Mutter und Bruder, nicht aber die Mitschüler und Shadis Eltern. Der Auslän- deranteil in der Siedlung ist hoch und birgt latente Spannungen. Shadis Bruder Tareq bezeichnet Mie als dänische Nutte. Mies Bruder Peer sieht sich von Negern umzingelt. Als Peer eines Nachts brutal zusammengeschlagen wird und ins Koma fällt, ahnt Shadi, dass sein älterer, wenig intelligenter Bruder mit dem Überfall zu tun hat. Aber er traut sich nicht, ihn zur Rede zu stellen. Auch Mie scheut sich, geauer nachzufragen. Ihre tolerante Mutter verdrängt die Konflikte, die sie täglich als Sozialarbeiterin erlebt. Für ihr Zuhause möchte sie ihre Ideale erhalten. Sie wartet ab, ringt mit sich, kontrolliert sich, will sich ihre Offenheit bewahren, nicht in die Falle der Vorurteile tappen.

Auch die Familie von Shadi lebt aneinander vorbei. Seine verschleierte kleine Schwester beschäftigt sich hauptsächlich mit ihrem Handy, die Mutter scheitert mit ihren impulsiven Bemühungen, die Familie zusammenzuhalten, der Vater weiß nicht, was seine Söhne treiben, er gefällt sich in seiner Rolle als gut gelauntes Familienoberhaupt. Auf beiden Seiten funktionieren die alten Familienbilder nicht mehr. Die Kinder tun das Gegenteil von dem, was die Eltern erwarten, weil sie sich unverstanden, ungeliebt, nicht respektiert fühlen. Eltern und Kinder leben in unterschiedlichen Welten, die Jungen in der Realität, die Älteren in ihren Wunschvorstellungen.

Wie klar und unaufdringlich Annette K. Olesen die Klischees von traditionellem Familienzusammenhalt und politischer Korrektheit, von aufgeklärter Toleranz und vom blinden Rassismus hinterfragt, ist ein Kunststück. Ihre Vorgehensweise ist weder belehrend noch wertend. Sie gibt keine Antworten. Mit zärtlicher Intensität beobachtet die Kamera die Gesichter der Menschen. In dieser Betrachtung sind die Darsteller alle überzeugend, es sind Menschen voller Sehnsüchte und Widersprüche, sie wirken so lebendig, als würden sie einem gegenüberstehen.


ab 01.01.1970


 Seite drucken