Einsamkeit und Sex und Mitleid


Regie: Lars Montag
Darsteller: Jan Henrik Stahlberg, Bernhard Schütz, Friederike Kempter, Lilly Wiedemann, Hussein Eliraqui, Aaron Hilmer, Eugen Bauder

119 Minuten | Deutschland 2017 | ab 16
33. Woche
EINSAMKEIT UND SEX UND MITLEID ist die Verfilmung des bitterbösen Bestsellers von Helmut Krausser. Das fulminante Kinodebüt von Lars Montag isteine provokante Komödie über die Schwierigkeiten, eine glückliche Beziehung zu leben. Aus den Figuren der Vorlage formt er ein herrlich rabenschwarzes Bild moderner Zweisamkeit.

 

Die Lage der Nation in Sachen Liebe, könnte dieses kuriose Kaleidoskop überschrieben sein. Flüsternde Erzählerstimmen geben eine Einführung in das famose Figurenkabinett. Da wäre der Thomas, ein Polizist mit latentem Rassismus-Problem. Thomas mimt gern den Macho vor seiner verschüchterten Kollegin Carla, mehr als ein gemeinsamer Sauna-Besuch (samt Migranten-Bashing) läuft jedoch nicht. Supermarktleiter Uwe geht die Sache pragmatischer an, er macht Kontakte übers Internet, wie zum Beispiel mit Künstlerin Janine. Dem blasierten Smalltalk über Gin-Sorten an der coolen Bar folgt die schnelle Nummer auf dem Behinderten-Klo. Da ist Uwes Ex beim Sex schon wählerischer. Sie bucht Callboy Vincent mit höchst detaillierten Vorstellungen, an denen der hübsche Escort-Boy freilich verzweifeln könnte. Bei der Teenager-Liebe knirscht es gleichfalls im Gefühlsgebälk. Dem sensiblen Johannes macht eine Sekte die Hölle heiß, als er erste Mädchenträume beichtet. Sein Objekt der Begierde Swentja, muss sich derweil den forschen Mahmud vom Hals halten. Irgendwie findet die 14-Jährige dessen plumpe Anmache aber auch ziemlich cool. Als ihre kleine Schwester Sonja plötzlich verschwindet, bekommt das Ganze einen dramatischen Kick. Dabei hat ihr frustrierter Papa Robert schon Sorgen genug, die er bei kruden Aggressions-Kursen im „Zerstörungszimmer“ des pensionierten Lehrers Ekki verzweifelt auszutoben versucht…

 

Das Episoden-Drama über die Liebe in neurotischen Zeiten erweist sich als clever konstruiert, mit visuellem Einfallsreichtum inszeniert. sowie einem schillernden Figurenkarussell ausgestattet, das ein hochkarätiges Ensemble mit spürbarer Spielfreude zum Besten gibt. Umwerfend komisch, unheimlich traurig: Ein funkelnder Diamant des Arthaus-Kinos - zugleich ein flammendes Plädoyer für die dramatisch bedrohte Gourmet-Kultur der Wurstabschnitte.

 

„Lars Montag hat aus einer großartigen Romanvorlage einen noch besseren Film gemacht – ein bitterböses Porträt der individualisierten Gesellschaft!“ CINEMA

„Einer der bemerkenswertesten deutschen Filme der letzten Jahre: Bildgewaltig und gnadenlos, grell und überzogen – und dabei verstörend dicht an der Gegenwart. Ein Film, der knallt!“ TTT



ab 04.05.2017


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