Paradies


Regie: Andrei Konchalovsky
Darsteller: Julia Vysotskaya, Christian Clauß, Philippe Duquesne, Peter Kurth, Jakob Diehl

132 Minuten | Russland/Deutschland 2016 | ab 12
20. Woche
In intensiven und unvergesslichen Schwarz-Weiß-Bildern wagt Regie-Altmeister Andrei Konchalovsky eine filmische Reise an die Grenzen der Gefühle und erzählt mit Hilfe seines bemerkenswerten Darstellertrios aus Frankreich, Deutschland und Russland von der Unmöglichkeit der Liebe in Zeiten des Krieges, wenn Zivilisation und Menschlichkeit nahezu vollständig versagen. Frankreich im Zweiten Weltkrieg: Die adlige Exilrussin Olga, Moderedakteurin bei einer renommierten Modezeitschrift, engagiert sich heimlich für die französische Widerstandsbewegung.

 

Die gefährliche Tätigkeit wird ihr zum Verhängnis, als deutsche Besatzer bei einer Razzia in ihrer Wohnung zwei jüdische Kinder entdecken, die sie dort versteckt hält. Im Gefängnis fällt die elegante junge Frau dem Nazi-Kollaborateur Jules auf, der für ihren Fall zuständig ist. Der Familienvater stellt ihr eine mildere Bestrafung in Aussicht, sollte sie seinen sexuellen Avancen nachgeben. Olga ist zu allem bereit, um ihre Freiheit wiederzuerlangen, und willigt ein. Doch als Jules auf unerklärliche Weise verschwindet, wird sie umgehend in ein Konzentrationslager gebracht. Inmitten dieser Hölle auf Erden trifft sie völlig unverhofft auf ein bekanntes Gesicht: Helmut, der sich während eines weit zurückliegenden Sommers in Friedenszeiten in sie verliebte und immer noch Gefühle für sie hegt, hat es zum hochrangigen SS-Offizier gebracht. Obwohl er ein glühender Bewunderer des Führers ist und begeistert an der Verwirklichung von Hitlers Traum vom „deutschen Paradies“ mitwirkt, nimmt er die Beziehung zu Olga wieder auf – eine verbotene, hochgradig destruktive Beziehung. Die Olga aber auch, so deutet es Helmut jedenfalls an, die Möglichkeit zur Flucht eröffnet…

 

PARADIES ist ein unglaublich kraftvoller, sehr moderner Film über den Raum zwischen der unstillbaren Sehnsucht nach Erlösung und den grausamen Realitäten des 20. Jahrhunderts, eine zeitlose Parabel auf das Menschsein im Holocaust, die als eine Art Vermächtnis viele der Themen aufgreift, die seit Jahrzehnten das filmische Oeuvre von Andrei Konchalovsky prägen.

 

Silberner Löwe für die Beste Regie, Venedig 2016!



ab 27.07.2017


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