MAPS TO THE STARS


Regie: David Cronenberg
Darsteller: Julianne Moore, Mia Wasikowska, John Cusack, Robert Pattinson, Evan Bird, Olivia Williams, Sara Gadon

112 Minuten | USA 2014 | ab 16
245. Woche

Perfekt perfides Psychodrama trifft auf schräge Hollywood-Farce: Stilsicher erzählt der kanadische Kultfilmer David Cronenberg von einer alternden Diva, einem zickigen Jungstar sowie dessen Vater, der ein gar schauriges Familiengeheimnis hütet. Willkommen im Neurose-Dschungel der Traumfabrik!


Die vierfache Oscar-Kandidatin Julianne Moore gibt den in die Jahre gekommenen Star mit massivem Mutterkomplex. Dass ihre besten Zeiten längst vorbei sind hat Havana Segrand fleißig verdrängt, trotzig träumt sie von der großen Rolle: Im Remake jenen Part zu spielen, mit dem die Frau Mama einst berühmt wurde. Hilfe holt sich Havana bei einem Psycho-Guru - dieser aufgeplusterte Therapeut kennt sich mit Glamour-Sorgen aus, schließlich ist Dr. Stafford Weiss der Vater eines zickigen Kinderstars mit reichlich Drogen- und vielen Ego-Problemen. Noch neurotischer als diese Justin Bieber-Kopie ist die ältere Schwester Agatha, die einst den heimischen Bungalow abfackelte und in die Psychiatrie im fernen Florida abgeschoben wurde. Jetzt kehrt Agatha zurück und nistet sich bei Havana als deren persönliche Assistentin ein – sehr zum Schrecken des Vaters. Schließlich weiß Dr. Weiss, welch düsteres Familiengeheimnis es zu bewahren gilt!
Den Wahnsinn dieser Familie im Besonderen und jenen von Hollywood im Allgemeinen porträtiert Cronenberg, wie gewohnt, mit eiskaltem Blick, atmosphärischer Dichte und visueller Eleganz. Der Kanadier macht sich mit Lässigkeit über die schizophrenen Eitelkeiten der Unterhaltungsindustrie lustig, wo an jeder Ecke Missgunst, Gier und Heucheleien lauern und man für die Wege zum Ruhm auch über Leichen geht. Natürlich darf dabei der wohl legendärste Versager der Glitzerwelt nicht fehlen: Der erfolglose Drehbuchautor/Schauspieler, der sich als Chauffeur über Wasser hält. Ihn gibt Robert Pattinson, der sich mit sichtlichem Vergnügen von seiner Teenie-Schwarm-Vergangenheit als "Twilight"-Vampir frei spielt. Schon vor zwei Jahren gab Cronenberg dem Star mit COSMOPOLIS eine Chance und hat ihn wohl mit ernsthaften Rollen gleichsam aus dem Hollywood-Wahn gerettet.
 
Goldene Palme für Julianne Moore als Beste Schauspielerin beim Festival Cannes 2014!

 

„Eine abgrundtief böse Abrechnung mit Hollywood!“ ZEIT ONLINE



ab 11.09.2014