Beule - Zerlegt die Welt - Filmgespräch

Regie: Janek Rieke | Darsteller: Janek Rieke, Julia Hartmann, Max Giermann, Nilam Farooq, Leonard Boes | Deutschland 2022 | Schwarze Komödie

Olli und Anja leben ein gemütliches Leben, das durch eine Schwangerschaft, eine Affäre und Ollis Art, Konflikte zu lösen (er benutzt dafür eine lange, schwere Axt) zu einer verrückten Achterbahnfahrt wird… Es gibt nur sehr wenig Filmkomödien, denen es gelingt, die Pointendichte bis zum Abspann konsequent hochzuhalten. Janek Riekes handwerklich atemberaubend perfekte Film-Farce ist eine der wenigen Ausnahmen – eine wahnwitzig wilde Komödie mit herrlichem nordisch-schwarzem Humor!

Olli (Janek Rieke) und Anja (Julia Hartmann) reparieren Boote in einer windschiefen Werkstatt irgendwo in Norddeutschland. Das Dach tropft, das Konto ist leer, aber sie lieben sich. Kein Streit, keine Lügen, kein Drama, bis Anja plötzlich ein Kind will. Olli, der wegen seiner Wutausbrüche öfter in Schlägereien gerät, die er meist verliert, wird "Beule" genannt und Beule hat panische Angst davor, Vater zu werden. Anja kann Olli beruhigen, doch als sie schwanger wird, verwandeln die Hormone sie in einen anderen Menschen: Aus zart wird zornig. Und Beule tröstet sich mit Mia (Nilam Farooq) von der Tankstelle. Als Anjas Wehen einsetzen, spitzt sich die emotional höchst aufgeladene Situation immer weiter zu. Beules Axt fliegt… Jan Riekes überbordend lustige Komödie, für die er auch das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle übernimmt, ist ein großartiges Zwerchfell-Training von der ersten bis zur letzten Sekunde. Dabei ist der Filmemacher in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich. Dass sein "Beule" die Welt zerlegt, darf man ruhig wörtlich nehmen. Rieke ist, was das komödiantische Timing angeht, geradezu begnadet, nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Regisseur. Der Rhythmus, in dem die Pointen gesetzt werden, ist makellos, am Timing dieses humoristischen Feuerwerks könnte sich die Braunschweiger Atomuhr orientieren. Aus dem Ensemble sticht neben Rieke selbst, der von der ganz großen Geste bis zum lieben Augenaufschlag alles perfekt serviert, vor allem Julia Hartmann heraus. Sie liefert von "sanft und niedlich" bis "härter als Tyson" eine riesige Bandbreite ab und schafft es sogar noch, im größten Chaos leise Zwischentöne unterzubringen. Das ist ganz großes, komisches Kino!

» Der Film schlägt wild um sich, teilt aus, schwingt die Axt. Und weiß doch um die Wunderkraft der Vergebung. Das hat etwas magisch Versöhnliches. Eine echte Wundertüte! « SPOT

 

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Ab 12 Jahren  |  83 Minuten
Filmplakat des Films Beule - Zerlegt die Welt - Filmgespräch
Filmgespräch mit Schauspieler und Regisseur Janek Rieke!