ATLAS


Regie: David Nawrath
Darsteller: Rainer Bock, Albrecht Abraham Schuch, Thorsten Merte

100 Minuten | Deutschland 2018 | ab 12
4. Woche
Zufällig trifft ein Möbelpacker auf seinen Sohn, den er einst verließ – und versucht nun alles, um ihn vor einem kriminellen Immobilienclan zu schützen... Starkes Spielfilmdebüt von David Nawrath!

 

Zusammen mit seinem Speditionstrupp soll der Möbelpacker Walter (Rainer Bock), ein in die Jahre gekommener ehemaliger Gewichtheber, eine Wohnung räumen. Als sich die Tür des Altbaus öffnet, glaubt er in dem jungen Familienvater seinen Sohn zu erkennen, den er vor Jahren im Stich gelassen hat. Es beginnt eine vorsichtige Annäherung und ein folgenreicher Versuch, die junge Familie zu retten... Absolut empfehlenswert: Die Geschichte vom Möbelpacker Walter, der sich plötzlich mit seiner Vergangenheit konfrontiert sieht, ist so dicht und spannend wie ein Thriller und passt doch in keine Schublade. Der Schauplatz ist Frankfurt am Main – ohne den glitzernden Charme der Hochfinanz, doch in einem extrem glaubwürdigen Umfeld, das wie ein Spiegel bundesdeutsche Wirklichkeit reflektiert. Kaum zu glauben, dass dieser Film ein Debüt ist. David Nawrath gelingt das Kunststück, seine Story ruhig und mit stetig wachsender Dramatik zu erzählen. Das Drehbuch ist extrem klug ausgedacht, es erzählt in fein ziselierten Windungen eine machtvolle Geschichte vom Leben: Da geht es nebenbei um Gentrifizierung, um Großstadtkriminalität und um eine Wirklichkeit, in der vieles schief läuft, ohne dass dies explizit thematisiert wird. Und das ist einer der besonderen Verdienste des Films. Die große Tragik der Geschichte vom starken Mann ist, dass der starke Mann helfen möchte, es aber nicht kann, weil er sich niemandem offenbaren kann. Atlas, der Titan aus der griechischen Mythologie, trägt die Welt auf seinen Schultern. Walter trägt sein Leiden unsichtbar mit sich herum. Wie sich dieser Mann in eine Geschichte hineinziehen lässt, die mit seinem Scheitern als Vater zu tun hat, ist ein langsamer und extrem spannender Prozess, überschattet von der Bedrohung durch Moussa und seinen Clan. Das tolle Ensemble wird von Rainer Bock (ARTHUR & CLAIRE, WERK OHNE AUTOR) alias Walter angeführt, ein verschlossener Kerl, an dem alles abperlt. Mit minimalistischer Gestik spielt er diesen von sich und vom Leben enttäuschten, einsamen Mann und erreicht mit sparsamsten Mitteln unglaubliche Wirkung: Walter wird in seiner Traurigkeit und in seiner Melancholie immer stärker, er entfaltet eine Wucht, die schließlich leinwandfüllend ist. Dieser Mann ist grandios – Walter Bock verdient mit seiner Leistung jeden Schauspielpreis. Kurz und gut: Der kleine Film ist ein Stück beeindruckend kraftvolles Arthouse-Kino!



Friedrichsbau Freiburg
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