BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN


Regie: Radu Jude
Darsteller: Katia Pascariu, Claudia Ieremia, Olimpia Malai

107 Minuten | Rumänien, Luxemburg 2021 | ab 18
4. Woche
Seit Jahren ist Radu Jude einer der inte ressantesten Vertreter des rumänischen Kinos – nun wurde er mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Ein verdienter Sieg in einem starken Wettbewerb, denn Ju des Satire über die Abgründe der Sozia len Medien, Cancel Culture und Corona trifft mit Witz und pointierter Beobach tung den Nerv der Zeit.

 

Lustvoll, zügellos, explizit: Emi (Katia Pasca riu) und ihr Mann haben großartigen Sex. Leider auch auf Video. Ihr sehr privater Por nofilm gerät irgendwie ins Internet und geht viral. Weil Emi eine Lehrerin an einer re nommierten Schule ist, haben darüber sehr viele Leute eine Meinung. Wahrheitsgrad egal, Begründung überflüssig. Von mora lisch empört über aggressiv anklagend bis vulgär beleidigend ist alles dabei. Emi muss antreten zu einem Elternabend der beson deren Art – man muss doch den Eltern die Gelegenheit zur Aussprache geben. Die „Debatte" gerät zum Tribunal – über ein vernehmlichen Sex, Pornografie, die Nazis, Wahrheit, Bildungstheorie – die Lehrerin wird plötzlich nicht nur für ihr Sexleben verantwortlich gemacht, sondern auch für die rumänische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Psychologie der Kinder im Allgemeinen und für die Emanzipation so wieso... So schnell die bloße Handlung von Radu Judes neuestem Werk erzählt ist, so viel schichtig erweisen sich Erzählform, Meta phorik, Subtexte. BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN ist eine Enzyklopädie unserer Zeit und die gnadenlose Versuchsanord nung einer völlig zersplitterten Gemein schaft, die nur noch in der Feindseligkeit zusammenfinden kann. Der Regisseur treibt den Irrwitz auf die Spitze und lässt uns erahnen, zu welch garstiger Farce un sere Gegenwart geworden ist, die man den Untergang der Demokratie nennen könnte. Das Bild, das er von seiner Heimat zeichnet, ist bitterböse, doch allzu sehr sollte sich hier niemand zurücklehnen: Die Details mögen anders aussehen, die Erinnerungen sich unterscheiden, im Kern beschreibt der Film nicht speziell die rumänische, sondern jede moderne, von Sozialen Medien geprägte Gesellschaft, in der immer häufiger jeder Gemeinsinn verloren gegangen ist, Ego zentrik und Oberflächlichkeit vorherrschen. Auch wenn der Film selbst am Ende be hauptet, ein Witz zu sein, ist er doch alles andere als das. Eine filmische Erfahrung zwischen totaler Finsternis und grell er leuchteter Humorzone.

 

Goldener Bär, Berlinale 2021!



Friedrichsbau Freiburg
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