BIS DANN, MEIN SOHN


Regie: Wang Xiaoshuai
Darsteller: Jing-chun Wang, Mei Yong, Qi Xi

185 Minuten | China 2019 | ab 6
4. Woche
Der preisgekrönte Regisseur Wang Xiaoshuai erzählt die Geschichte zweier Familien vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Umwälzungen in China. Ein zutiefst berührendes Familienepos über Freundschaft und Veränderung, Verlust, Trauer und Hoffnung – und die Geschichte einer lebenslangen Liebe, die das Versprechen von den guten und den schlechten Tagen auf trotz allem beglückende Weise einlöst.

 

Ausgehendes 20. Jahrhundert, eine Stadt im Norden Chinas. Liyun und Yaojun sind ein glückliches Paar. Sie leben mit ihrem Sohn Xing im Wohnheim der Metallfabrik, in der sie arbeiten, Wand an Wand mit ihren Freunden Haiyan und Yingming, deren Sohn Haohao am gleichen Tag geboren ist wie Xing. Als Xing bei einem Unfall ums Leben kommt, trennen sich ihre Wege. Yaojun und Liyun ziehen in die Provinz Fujian im Süden des Landes. Doch die Familien bleiben durch die Tragödie und die Suche nach Wahrheit und Versöhnung miteinander verbunden...
Über einen Zeitraum von 30 Jahren erstreckt sich das Epos des chinesischen Independent-Regisseurs Wang Xiaoshuai, ein Familiendrama mit viel politischem Hintersinn – eines der cineastischen Highlights der Berlinale 2019, und das nicht nur wegen der herausragenden darstellerischen Leistungen, sondern auch aufgrund der ausgefuchsten Dramaturgie. Das große Thema ist Freundschaft, auch im Sinne eines Rückzugs ins Private angesichts eines übermächtigen Staates – immer wieder gibt es Verweise und konkrete Bezüge: In den 80ern, in der Folge der chinesischen Kulturrevolution, ist es die Ein-Kind-Politik, die dazu führt, dass Liu Yaojun ein Kind abtreiben lässt und dafür von ihrer besten Freundin, der „Familienplanungsbeauftragten", vor versammelter Mannschaft einen Preis erhält. Der wachsende Wohlstand macht Li Haiyan und Shen Yingming reich, während Liu Yaojun und Wang Liyun immer noch ein Leben am Existenzminimum fristen. Die Zeiten sind lange vorbei, als sie gemeinsam im Arbeiterwohnheim lebten. Doch es geht auch um Schuld, um Reue und um unausgesprochene Worte der Trauer, um gemeinsam verbrachte Tage, kleine und große Krisen und nicht zuletzt ums Weiterleben – um das Trotzdem. Bei allem ragen Yong Mei als Liu Yaojun und Wang Jing-chun als Wang Liyun heraus, sie geben ihren Rollen Würde und Tragik, ohne auch nur ansatzweise rührselig zu wirken. Wang Xiaoshuai und Drehbuchautorin Ah Mei haben eine anspruchsvolle Geschichte komponiert, aufgrund deren ungewöhnlicher Struktur die Dauerspannung erhalten bleibt. Die teilweise homöopathisch dosierten Informationen machen den Film zu einem intellektuellen Vergnügen, kaum weniger stark ist der visuelle Eindruck mit sorgfältig kadrierten Einstellungen und beeindruckend detailreichen Bildern in sanften Farben. Und letztendlich findet sich sogar ein versöhnlicher Schluss für den eher leisen, etwas melancholischen Film, den man auch als dezente Abrechnung mit 30 Jahren Diktatur verstehen könnte. Meisterhaftes Kino.

 



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