SCHLINGENSIEF - IN DAS SCHWEIGEN HINEINSCHREIEN


Regie: Bettina Böhler
Darsteller: Dokumentation

130 Minuten | Deutschland 2020 | ab 12
5. Woche
Schreien, laut sein, provozieren: Das war für viele die Essenz von Christoph Schlingensief. Dass der vor zehn Jahren viel zu jung verstorbene Regisseur und Künstler mit zunehmender Bekanntheit auch immer häufiger nur als Pausenclown wahrgenommen wurde, ist eine Tragik, die in Bettina Böhlers gelungenem Porträt mitschwingt – eine sehr persönliche Würdigung eines vielschichtigen, suchenden, streitbaren Menschen.

 

Mit seinen „Heimatfilmen", seinen Aktionen und Interventionen in Theater, Fernsehen, Oper und Kunst hat der Regisseur Christoph Schlingensief über zwei Jahrzehnte den kulturellen und politischen Diskurs in Deutschland mitgeprägt. Die renommierte Filmcutterin Bettina Böhler unternimmt in ihrem virtuos montierten und ungemein unterhaltsamen Regiedebüt den Versuch, den Ausnahmekünstler in seiner ganzen Bandbreite zu zeigen. Im Fokus steht der „Familienmensch" (Schlingensief über Schlingensief), der in seinen Arbeiten gleichermaßen das Verhältnis zu den Eltern in Oberhausen und das Verhältnis zu Deutschland thematisiert. Der Film durchlebt die ganze Entwicklung Schlingensiefs: vom quasi pubertierenden Filmemacher im Kunstblutrausch, über den Bühnenrevoluzzer von Berlin und Bayreuth bis hin zum Bestsellerautor, der kurz vor seinem Tod die Einladung erhält, den Deutschen Pavillon in Venedig zu gestalten. Regisseurin Bettina Böhler macht den Filmprovokateur, Aktions-Anarchisten und Theaterterroristen mittels einer grandiosen Filmcollage lebendig. Schon im Alter von acht Jahren spielte der statt mit Lego lieber mit Papas 8-mm-Kamera und drehte mit 14 sein erstes Amateur-Video nach dem Comic „Das Todeshaus der Lady Florence". Sein nachhallendes Sujet aber wurden die Unwägbarkeiten der deutschdeutschen Geschichte: Auf der „documenta X 1997" postulierte er „Tötet Helmut Kohl" – und landete dafür hinter Gittern, seine Opernversion Parsifal (2004) bei den ehrwürdigen Bayreuther Festspielen verstörte und verzückte. Eine gewisse Tragik schwingt mit in Böhlers Film, der es mit seinem geschickt montierten Material immer wieder versteht, die Vielschichtigkeit Schlingensiefs anzudeuten. Der Verlust von Christoph Schlingensief, der mit nur 49 Jahren an Krebs starb, wiegt schwer. Ohne es aussprechen zu müssen, ohne dass es Freunde und Wegbegleiter direkt sagen, wird am Ende von Bettina Böhlers Werk überdeutlich: Er fehlt.



Harmonie Freiburg
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