Logo Harmonie Logo Friedrichsbau Logo Kandelhof

TITANE


Regie: Julia Ducournau
Darsteller: Agathe Rousselle, Vincent Lindon, Dominique Frot

108 Minuten | Frankreich 2021 | ab 16
3. Woche
Einerseits völlig überraschend, angesichts des Zeitgeists aber auch vollkommen konsequent gewann Julia Ducournaus TITANE in diesem Jahr die Goldene Palme. Die wichtigste Trophäe des Weltkinos ging damit an einen Film, der von einer Serienkillerin erzählt, die dank einer Titanplatte im Kopf zu einem Zwischenwesen mutiert und Sex mit Autos hat... Ein wilder Genremix, der sich für vielfältige Lesarten anbietet.

 

Es beginnt mit einem nervenden Kind namens Alexia auf dem Rücksitz eines Autos. Der Vater ist abgelenkt und baut einen Unfall. Schwer verletzt überlebt das Kind und bekommt eine Platte aus Titan in den Kopf gepflanzt... ... Jahre später ist Alexia erwachsen und wird vom Model Agathe Rousselle gespielt, deren androgyne Gestalt andeutet, wie sehr es fortan um Fragen von Geschlechtszugehörigkeit, Transformation, Diversität gehen wird. Alexia arbeitet als Tänzerin auf Autoshows, räkelt sich verführerisch auf den Motorhauben ebenso verführerischer Autos, nimmt danach gerne einen lechzenden Zuschauer zum Sex mit – und tötet ihre Lover mit dem Stich einer langen Haarnadel direkt ins Gehirn. Schließlich nimmt sie die Identität eines seit vielen Jahren verschwundenen jungen Mannes an und sucht Unterschlupf bei dessen Vater (Vincent Lindon), der als Chef einer Feuerwehrbrigade über sein eigenes kleines Reich herrscht... Schon mit ihrem Debütfilm RAW spaltete die junge französische Regisseurin Julia Ducournau die Geister, damals variierte sie Motive des Zombiefilms, bediente sich queerer Ästhetik und blieb ebenso rätselhaft, wie sie es auch in ihrem zweiten Film TITANE ist. Bezüge zu den Body-HorrorFilmen von David Cronenberg scheinen ebenso deutlich zu sein wie Referenzen zu Filmen wie Shinya Tsukamotos TETSUO – THE IRON MAN, vor allem aber zu außerfilmischen Debatten über Diversität, Transsexualität oder toxischer Männlichkeit. Ducournaus neues Werk spiegelt auf moderne, gewagte Weise den Zeitgeist. Kein Wunder also, dass der Film in seinem wilden, mal verstörenden, mal mitreißenden, mal albernden Spiel mit Genrebildern, exzessiver Gewalt und gleißenden Aufnahmen menschlicher und maschineller Körper doch so offen bleibt, dass sich unzählige Lesarten anbieten. Ein Film wie ein Rorschach-Test, der von jeder Zuschauerin, jedem Zuschauer anders gesehen werden wird – und einen Nerv der Zeit trifft.

 

"Ein faszinierendes Werk der Maß- und der Hemmungslosigkeit, ein Film jenseits aller zeitgeistigen Sozialmoden wie Rücksichtnahme, Vorsicht, Achtsamkeit!"  ZEIT

 

Goldene Palme, Cannes 2021!



ab 07.10.2021




OmU

Vorstellung im französischen Original mit Untertiteln

Harmonie Freiburg
HeuteSaSoMoDiMiDoFr
20:50
 
Zum Kaufen von Eintrittskarten klicken Sie bitte auf die Uhrzeit der gewünschten Vorstellung.