VOR MIR DER SÜDEN


Regie: Pepe Danquart
Darsteller: Dokumentation

118 Minuten | Deutschland 2020 | ab 0
5. Woche
Zwei Jahre, bevor er seinen ersten Film drehte, umrundete Pier Paolo Pasolini die italienische Küste in einem klappri gen Fiat Millecento, um die neue Touris muskultur zu beschreiben. Mit erstaun licher Weitsicht porträtiert der kritische Dichter, wie sich die Gesellschaft im Wirtschaftsaufschwung entwickelt. 60 Jahre später fährt der Freiburger Filmemacher und Oscarpreisträger Pepe Danquart dieselbe Route – und schaut, was aus Pasolinis Italien geworden ist.

 

 1959, Italien. Pier Paolo Pasolini setzt sich im Badeort Ventimiglia in seinen Fiat Mil lecento und umrundet einmal den italieni schen Stiefel bis hinauf nach Triest. Das im Zeichen des Wirtschaftswunders und des beginnenden Massentourismus prosperie rende Italien beschrieb Pasolini mit einer großen Portion Hellsichtigkeit, Empathie und Witz – ein einzigartiges Zeitdokument. Der Freiburger Filmemacher Pepe Danquart folgt seinen Spuren im Fiat Millecento als Flaneur, der in Italien die Umbrüche eines ganzen Kontinents wahrnimmt... Zwischen Dolce Vita und nostalgischer Endzeitstimmung: Pepe Danquart hat einen fesselnden, bildstarken Dokumentarfilm ge schaffen, der die Kulturen des Reisens und der Industrie klug miteinander kurzschließt und sie durch den Wandel der Zeiten ver folgt. Dabei findet der Regisseur, der bereits mit seinem Kurzfilm SCHWARZFAHRER von 1994 einen Oscar gewann und mit Filmen wie AM LIMIT visionäre Kinokraft unter Beweis stellte, einen liebevollen und humo rigen Umgang mit den neuen Trieben aus dem Boden einer längst vergangenen Zeit. Italien zeigt er als radikales Konzentrat einer europäischen Epoche, die zugleich groß artig und bestürzend ist. So viel lässt sich über Europa erzählen, schaut man einmal genauer auf sein Eingangstor: Wo früher der Massentourismus die Menschenströme durch die Ferienorte schleuste, überrennen nun Millionen Individualreisende die Schau plätze des historisch-mediterranen Italiens. Wo einst Aufbau herrschte, strömen nun Waren und Dramen an die Küstenorte der Apennin-Halbinsel. Eine atmosphärische Doku-Montage, die sich keineswegs in der Huldigung des 1975 ermordeten Meis terregisseurs Pasolini erschöpft, sondern Land und Leute in besonderer Weise in den Mittelpunkt stellt. Natürlich ist auch Pasolini in den Film eingeschrieben: Aus dem Off werden von Ulrich Tukur Einträge aus des sen Tagebüchern eingesprochen, wir sehen Archivbilder der ersten Reise in Schwarz weiß und auf Super-8 im Zusammenklang mit den neu gefilmten Eindrücken. Eine neunwöchige Entdeckungsreise zurück in die Zukunft.

„Kein Postkarten-Italien, sondern ein krisengeschütteltes, zerrissenes Land!“ RBB

„Ein brillanter bildstarker Dokumentarfilm, der die Auswüchse der Moderne benennt und Italien beispielhaft für die Verwerfungen in Europa beschreibt!“ TTT

 



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