La Grazia

Regie: Paolo Sorrentino | Darsteller: Toni Servillo, Anna Ferzetti, Orlando Cinque | Italien 2025 | Drama | Originalsprache: Italienisch

Im letzten Amtssommer steht Italiens Präsident vor Entscheidungen, die Gesetzestexte sprengen: Zwischen Sterbehilfe-Debatte, brisanten Gnadengesuchen und der Erinnerung an seine verstorbene Frau gerät sein moralisches Fundament ins Wanken… Paolo Sorrentino kehrt zu alter Größe zurück – mit einem politischen Drama, das leise, aber zutiefst wirkungsvoll auftritt. Ein filmisches Meisterstück zwischen Würde und Zerrissenheit und eine seiner persönlichsten Arbeiten.

Mariano De Santis (Toni Servillo) ist der Präsident der Italienischen Republik. Der Witwer und gläubige Katholik lebt mit seiner Tochter Dorotea (Anna Ferzetti) zusammen, seine wichtigste juristische Beraterin, die scheinbar kein Privatleben hat. Dorotea drängt zum Ende seiner Amtszeit, dass er das anstehende Sterbehilfegesetz noch auf den Weg bringe. Außerdem soll er über zwei heikle Gnadengesuche entscheiden: eine Frau, die ihren sadistischen Mann erstochen hat, und ein Lehrer, der seine demente Frau erdrosselte. Diese Fälle stellen das Staatsoberhaupt vor schwerwiegende moralische Dilemmata, die eng mit seinem persönlichen Leben verwoben sind. Während Zweifel an ihm nagen, ringt De Santis mit den Fragen von Recht, Gerechtigkeit, Verantwortung und Gnade… Sorrentino entfaltet einen filmischen Kosmos, in dem Macht und Gewissen aufeinandertreffen: De Santis ringt nicht nur mit politischen Entscheidungen, sondern auch mit der Erinnerung an seine verstorbene Ehefrau und den Schatten vergangener Jahre. Dabei wählt der Maestro einen klassischen Ton, der doch überrascht. Visuell streng komponiert, mit der typischen, symbolkräftigen Bildpoesie des Regisseurs, wirft der Film einen fast kühlen Blick auf politische Macht und moralische Ambiguitäten; keine wuchtigen Inszenierungen oder pompöse Wendungen, stattdessen sorgfältig aufgefächerte Dialoge und innere Konflikte. Und bei aller mitschwingenden Melancholie ist LA GRAZIA dennoch ein leichter Film, oft witzig und mit reichlich philosophischem Tiefgang. Toni Servillo, Sorrentinos liebster Hauptdarsteller, ist der unumstößliche Pfeiler der Erzählung: zurückhaltend, würdevoll und mit einem feinen emotionalen Register, das zwischen stoischer Pflicht und stiller Verletzlichkeit changiert – seine Darstellung wurde mit der "Coppa Volpi" als Bester Darsteller in Venedig ausgezeichnet. Für Liebhaber anspruchsvoller Polit- und Charakterdramen sowie Fans von Sorrentinos einzigartiger Bildsprache ist dieser Film ein absolutes Muss.

» Ein Glücksgriff – lustig und traurig und schön, vor allem aber weise. Vielleicht sein bester Film! « SZ

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Ab 12 Jahren  |  132 Minuten
Filmplakat des Films La Grazia

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