The Mastermind
Regie: Kelly Reichardt | Darsteller: Josh O'Connor, Alana Haim, John Magaro | USA 2025 | Anti-Heist-Drama | Originalsprache: Englisch
USA in den 1970ern. Ein arbeitsloser Handwerker träumt weniger vom Reichtum als davon, etwas zu bedeuten. Also schmiedet er den riskanten Plan, einen spektakulären Kunstraub zu begehen – und eine verhängnisvolle Spirale aus Größenwahn und Scheitern setzt sich in Gang… Im vermeintlichen Gewand eines klassischen Heist-Films präsentiert Kelly Reichardt einen atmosphärischen Abgesang auf den amerikanischen Traum – ein Charakterdrama, das mit langsamer Wucht volle Wirkung entfaltet.
In einer beschaulichen Ecke von Massachusetts versucht sich der arbeitslose Tischler JB Mooney (Josh O’Connor) als Kunstdieb und plant seinen ersten großen Coup. Doch der Plan geht schief, und sein Leben gerät heftig aus den Fugen… Wenn die Amerikanerin Kelly Reichardt einen Film dreht, bei dem es um einen Einbruch in einem Museum geht, darf man keine Independent-Version von OCEANS 11 erwarten. Vielmehr rammt sie diesen Kinomythos unangespitzt in den Boden, spielt mit Genremustern, dekonstruiert sie, benutzt sie als Vorwand, um von der amerikanischen Gesellschaft zu erzählen. Schon des Öfteren hat die Regisseurin subversives Genrekino gedreht: Ein Anti-Western, ein Anti-Thriller, nun also ein Anti-Heist-Film. Das hier traditionell souveräne Männer-Figuren im Mittelpunkt stehen, die aufgrund ihrer Cleverness und Maskulinität ihre Ziele erreichen, scheint kaum zufällig. Nun inszeniert die Filmemacherin den unverwechselbaren Josh O’Connor in einer brillanten Geschichte eines Rebellen ohne sicheren Boden. Betont passiv spielt O’Connor, seine Figur ist kein charismatischer Krimineller, sondern jemand, der mehr aus Desillusion und Verzweiflung handelt. Sein Idealismus, sein Stolz, sein Ego treiben – und überfordern – ihn. Das 70er-Jahre-Setting, der sanfte Kamerastil, das Licht, der Soundtrack – alles trägt zur Stimmung einer zunehmend missglückenden Flucht bei. Wie auch immer man die Geschichte dieses (Anti-) Helden, eingebettet in seine sich wandelnde, immer wieder aufscheinende historische Gegenwart zwischen Vietnamkriegs-Protesten und Frauenrechtsbewegung verstehen mag: THE MASTERMIND ist ein faszinierender, unverwechselbarer Reichardt-Film – inzwischen fast selbst ein Genre.
» Einer der durchtriebensten Filme von Cannes! « MONOPOL
» Kelly Reichardts bislang unterhaltsamster und raffiniertester Film, mit genialem Jazz-Score, einer Farbpalette wie von William Eggleston und Stephen Shore, und der Karriere-Bestleistung von Josh O'Connor! « SPOT
