Zweitland
Regie: Michael Kofler | Darsteller: Thomas Prenn, Aenne Schwarz, Laurence Rupp, Francesco Acquaroli | Deutschland, Italien 2025 | Drama
In seinem Kinodebüt beleuchtet Michael Kofler so packend wie eindringlich die Ereignisse rund um die "Feuernacht" in Südtirol. Ein bewegendes Familiendrama vor dem Hintergrund der Südtiroler Separatistenbewegung und eine eindrückliche Reflexion über politische Gewalt und ihre Folgen. Thomas Prenn und Laurence Rupp spielen als gegensätzliches Brüderpaar an der Seite von Aenne Schwarz sehr stark auf!
Südtirol, 1961. Die norditalienische Region wird durch eine Serie von separatistischen Bombenanschlägen erschüttert. Während der junge Bauernsohn Paul (Thomas Prenn) der Perspektivlosigkeit seines Dorfes entkommen und Malerei studieren will, kämpft sein älterer Bruder Anton (Laurence Rupp) für den Schutz der deutschsprachigen Minderheit – notfalls mit Gewalt. Nachdem Anton als einer der Attentäter enttarnt wird, flieht er und lässt Hof und Familie zurück. Widerwillig verschiebt Paul seine eigenen Pläne, um Antons Frau Anna (Aenne Schwarz) und ihren kleinen Sohn zu unterstützen. Während die Lage eskaliert und die italienische Polizei hart durchgreift, beginnt Anna sich zunehmend gegen die patriarchalen Strukturen ihres Umfelds zu wehren. Paul hingegen muss sich entscheiden – zwischen familiärer Loyalität und Selbstverwirklichung… Michael Koflers Drehbuch hätte leicht die Abzweigung ins Thriller-Genre nehmen können, packt die historischpolitischen Hintergründe aber in eine intime Familiengeschichte von erstaunlicher Aktualität. Das intensive Drama entwickelt einen starken Sog, was nicht zuletzt an den guten Darstellerleistungen liegt. Besonders Thomas Prenn, der Pauls Hadern eindringlich herausarbeitet, und Laurence Rupp brillieren als ungleiche Brüder mit komplexer Beziehung. Auch die visuelle Gestaltung ist bemerkenswert. Trotz weitläufiger Bergweltkulisse wird fast durchgehend in Einstellungen mit engem Bildausschnitt erzählt. Das Gefühl des Eingeschlossenseins zieht sich wie ein roter Faden durch den Film. Der Südtirol-Konflikt wird nuanciert dargestellt. Die Polizisten gehen brutal zu Werke, ebenso kritisch wird das heftige Vorgehen der Separatisten dargestellt. Gewalt erzeugt Gewalt, eine gefährliche Spirale, die nur schwer aufzuhalten ist – das betont Kofler unmissverständlich. Ein feinfühliges Familienporträt, das die persönliche Geschichte zweier Brüder gelungen mit dem historischen Konflikt verwebt.
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