Adams Acht
Regie: Hannu Salonen | Darsteller: Oliver Masucci, Felix Kammerer, Svenja Jung, Leonard Kunz | Deutschland, Slowakei 2026
1960 machte Karl Adam aus Underdogs Olympiasieger im Rudersport. Der legendäre Deutschland-Achter gilt bis heute als eines der größten Wunder der nationalen Sportgeschichte… Ein Sportler-Biopic in atmosphärischen Bildern – und ein kraftvolles Nachkriegsdrama über Ehrgeiz, Gemeinschaft und den Versuch, aus der belasteten Vergangenheit in eine neue Zeit aufzubrechen. Ein ambitioniertes, stark gespieltes Stück deutsches Erzählkino.
Ratzeburg, Ende der 50er Jahre. Eine Kleinstadt an der Grenze zur DDR. Hier unterrichtet der Lehrer Karl Adam (Oliver Masucci) und trifft auf eine vaterlose Generation junger Männer und Außenseiter, die nicht wissen, wohin mit ihrer Wut. Doch Adam sieht etwas in ihnen, das sonst niemand sieht. Er setzt sie in einen Ruder-Achter und gibt ihnen mehr als ein Ventil – er gibt ihnen eine Perspektive. Adams unkonventionelle Methoden führen zu ersten Erfolgen, doch die Funktionäre des elitären Rudersports belächeln und sabotieren ihn. Und während der Kalte Krieg seine Schatten über das Land wirft, ringt Adams Team nicht nur mit der körperlichen Erschöpfung, sondern auch mit alten Schuldfragen, ideologischen Gräben und dem Gestern, das sich nicht einfach abschütteln lässt. Doch Adam formt aus den Underdogs etwas, das größer ist als die Summe seiner Teile – bereit, Geschichte zu schreiben… Es ist die erstaunliche Geschichte jenes deutschen Außenseiterteams, das bei den Olympischen Spielen in Rom sensationell Gold holte. Doch nicht nur dieser unwahrscheinliche Triumphzug ist es, der Hannu Salonens Film besonders macht, sondern auch sein historischer Resonanzraum. Adam, radikaler Erneuerer von Training und Bootstechnik im Rudersport, ist auch ein Mann mit NSDAP-Vergangenheit und Tätigkeit an einer Napola. Oliver Masucci ist für diese widersprüchliche Figur eine hervorragende Besetzung. Er spielt keinen glattpolierten Motivationsguru, sondern einen kantigen, besessenen Macher, dessen enorme Energie immer auch etwas Unbequemes besitzt. Felix Kammerer setzt als Hans Lenk einen ruhigeren Gegenpol; dessen Beziehung zu Ulla auf der anderen Seite der innerdeutschen Grenze öffnet die Geschichte zusätzlich in die politischen Spannungen jener Jahre. Nicht minder bemerkenswert ist die starke Bildsprache des Dramas. Und wenn Salonen sich auf das Boot, die Körper, den Rhythmus und das allmähliche Zusammenwachsen der Männer konzentriert, entwickelt der Film beträchtlichen Sog.
